Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Logo des IGK für Internetseite

Links

Dokumente

.pdf (120,2 KB)  vom 18.06.2008

Weiteres

Login für Redakteure

Frauke Kempka

Foto Frauke Kempka

Foto Frauke Kempka

Lebenslauf

Frauke Kempka (geb. 1977 in Nordrhein Westfalen) studierte Japanologie und Europäische, sowie Ostasiatische Kunstgeschichte in Trier, Osaka, Tokyo und Berlin. Ihren Abschluss machte sie 2004 an der FU Berlin mit einer Magisterarbeit zum Thema Militarismus und Kunstpolitik in Japan zwischen 1937 und 1945. Nach ihrem Studium arbeitete sie drei Jahre im Rahmen des JET Programms als Coordinator for International Relations im Rathaus der Stadt Bungoono (Japan), wo sie Projekte zur Förderung interkultureller Sensibilität konzipierte und durchführte.  Ihr Promotionsvorhaben beschäftigt sich mit Perspektiven und Problemstellungen in der Integrationsförderung von MigrantInnen durch Akteure der Zivilgesellschaft in Japan und Deutschland


Dissertationsprojekt
„Vertraute Fremde. Akzeptanz in der Integrationsförderung von MigrantInnen in Japan und Deutschland“ (Arbeitstitel)

In der Integrationsforschung wird weiträumig darauf verwiesen, dass Integrationsprozesse konflikthaft verlaufen (Berry:1997; Esser:2004; Miyajima:2003; D’Amato:2001). Da diese Konflikte als „Zumutung“ Individuen adressieren, legt meine Dissertation ihren Fokus auf die Mikroebene und geht der Frage nach, wie Individuen konstruktiv mit Integrationskonflikten umgehen können (Hejazi:2009, 15). Als konstruktiver Umgang sind Verhaltensweisen definiert, welche Integrationsprozesse in ihrer Konflikthaftigkeit akzeptieren, so dass eine soziale „Multiinklusion“ von Individuen ermöglicht wird (Nassehi:1997, 178). Aufbauend auf Zygmunt Baumans Ausführungen zu Moderne und Ambivalenz wurde ein theoretisches Konzept für einen konstruktiven Umgang mit Integrationskonflikten entwickelt und mit dem Begriff ‚Akzeptanz von Ambivalenz’ benannt (Bauman:1991). Unter Ambivalenz werden dabei nach Bauman Konstruktionen eines Widerspruchs der Andersartigkeit von Fremden und ihrer sozialen Inklusion verstanden. Akzeptanz von Ambivalenz umfasst als theoretisches Konzept das Zulassenkönnen dieses Widerspruchs und die Übernahme von moralischer Verantwortlichkeit für die als Fremde Wahrgenommenen.

Meine Arbeit verfolgt das Ziel, dieses Konzept empirisch zu überprüfen, um aus dieser Überprüfung wiederum Thesen zu abstrahieren, die theoretische Ansatzpunkte für weitere Forschungsarbeiten liefern können. Dazu wurde anhand problemzentrierter Interviews mit Personen, die im Bereich der Integrationsförderung von MigrantInnen tätig sind, untersucht, wie sie mit Integrationskonflikten umgingen.

Ein japanisch-deutscher Vergleich erscheint als Forschungsrahmen besonders interessant für diese Untersuchung, da in beiden Ländern eine wachsende ethnisch-kulturelle Pluriformität in der Bevölkerung wahrgenommen und Integrationskonflikte thematisiert, aber unterschiedliche Wege im Umgang beschritten werden. Es können also Individuen ausgewählt werden, die innerhalb unterschiedlicher Rahmenbedingungen mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind. Ein vergleichend angelegter Forschungsrahmen ermöglicht mithin die Überprüfung des Einflusses äußerer Faktoren ebenso wie eine erleichterte Abstrahierbarkeit der Einzelaussagen. Als Untersuchungsgegenstand habe ich individuelle zivilgesellschaftliche Akteure gewählt, die in Halle (Saale), sowie in der südjapanischen Stadt Beppu im Bereich der Integrationsförderung von MigrantInnen aktiv sind.

Als Ergebnis wurde festgestellt, dass ein konstruktiver Umgang mit Integrationskonflikten, wie Akzeptanz von Ambivalenz ihn vorsieht, Individuen gelingen kann. Sie profitierten des Weiteren persönlich von diesem Umgang, da Integrationskonflikte, mit denen sie in ihrer Akzeptanz konfrontiert waren, ihren Schrecken und Überforderungscharakter weitgehend verloren. Allerdings gelang es ihnen nie, umfassend Akzeptanz zu üben, sondern lediglich für MigrantInnen, welche die Befragten durch die Deutung eigener biographischer Erfahrungen als „Vertraute Fremde“ konstruierten. Ihnen wurden in vielen Fällen spezifische soziale Rollen zugeschrieben, so dass auch die Integration Vertrauter Fremder entsprechend dieser Rollenbilder, in bestimmten gesellschaftlichen Teilbereichen und/oder Interaktionsformen möglich oder unmöglich, erwünscht oder unerwünscht erscheinen konnte. Daher wirkte Akzeptanz von Ambivalenz sozial inklusiv, aber gleichzeitig auch stets exklusiv. Die Fähigkeit von Individuen, mit Integrationskonflikten konstruktiv umzugehen, wird demnach individuell ermöglicht, ist aber ebenso immer auch individuell begrenzt. Da die Parameter von In- und Exklusivität jedoch abhängig von der Deutung eigener Erfahrungen verschieden sind, kann für die Integrationsförderung von MigrantInnen eine größtmögliche Pluralität individueller Akteure als erstrebenswert angesehen werden.

Referenzen:

Bauman, Z. (2007(1991)). Modernity and Ambivalence. Polity Press, Cambridge

Berry, J. W. (1997). Immigration, Acculturation and Adaption. Applied Psychology. An International Review 46(1), S.5-68

D’Amato, G. (2001). Vom Ausländer zum Bürger: der Streit um die politische Integration von Einwanderern in Deutschland, Frankreich und der Schweiz, Vol. 5 of Region, Nation, Europa. Lit-Verlag, Münster

Esser, H. (2004). Welche Alternativen zur „Assimilation” gibt es eigentlich? In Bade, K. J. and Bommes, M. (Hrsg.), Migration – Integration – Bildung. Grundfragen und Problembereiche, IMIS-Beiträge 23, S. 41–60.

Hejazi, G. (2009). Pluralismus und Zivilgesellschaft. Interkulturelle Pädagogik in modernen Einwanderungsgesellschaften. Kanada - Frankreich - Deutschland. transcript Verlag, Bielefeld.

Miyajima, T. (2003). Tomo ni ikirareru nihon he. Gaikokujin shisaku to sono kadai (Hin zu einem Japan, in dem man gemeinsam leben kann. Die Ausländerpolitik und ihre Aufgaben). Yûhikaku, Tokyo

Nassehi, A. (1997). Inklusion, Exklusion - Integration, Desintegration. Die Theorie funktionaler Differenzierung und die Desintegrationsthese. In Heitmeyer, W. (Hrsg.), Was hält die Gesellschaft zusammen? S. 113–148. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main

Publikationen

2009Oyama, Hiroshi: Opfer, Täter und das Gewissen (Übers. F. Kempka). In: Schölz, Tino (Hg.): Kriegsverbrechen und Öffentlichkeit in Japan. Arbeitspapiere des IGK Formenwandel der Bürgergesellschaft Nr. 4, MLU Halle-Wittenberg (Sept. 09); S. 25-32
2009“Wareware” to “tasha” no aida no kabe o tou (Fragen nach den Wänden zwischen “Uns” und “den Anderen”) IGK Working Paper Series Vol. 3, Tokyo University (März 2009)
2006Kyôtsûten wo sagaseba (Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten).
In: Jichitai Kokusaika Foramu Nr. 206 (12. 06), S. 38-41
2004Kunstgenuss im Dienste der Propaganda. Die “Ausstellung Altjapanischer Kunst” in Berlin 1939. In: Ostasiatische Zeitschrift Nr. 8 (09. 04), S. 22-32
2002Japaner ist man von Geburt. In: tageszeitung 06. 05. 02, S. 14
2002Tokios Brave New World. In: Frankfurter Rundschau 14.2.02

Zum Seitenanfang